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as ist überhaupt ein Shanty?

   
Ein Shanty (englisch auch chanty - aus dem Französischen: chanter = singen) ist ein Seemannslied. Shantys sind Lieder der Matrosen zu gemeinschaftlicher harten Arbeit auf Segelschiffen vor dem Mast und lassen sich in ihrem Ursprung bis ca. 1450 zurückverfolgen.  In Norddeutschland an der Waterkant gehört der Auftritt von „Shanty-Chören“ zum Kulturgut. Verschiedene neuere Shantys wurden erstmals in dem Dokumentarfilm Windjammer (1958) aufgeführt und gingen eingedeutscht in das Repertoire der Chöre ein.
Historisch wurde mit Einführung der Dampfmaschine ab ca. 1870 in der Schiffart schnell ein Umbruch vollzogen.  Heute sollen uns Seemannslieder & Shanties meistens nur noch zurückerinnern an die "gute, alte Zeit" der Segelschiffromantik.
Für uns verbinden sich mit diesen Liedern fast immer Begriffe wie: Wind, Segel, Masten, Stürme, Schiffbruch, Schmuggel und Seeräuberei, aber auch Häfen, Heimkehr und Liebe der Matrosen.


Shanties und Seemannslieder

Für Jan Maat, den „Mann vor dem Mast“ – für den einfachen Matrosen war das Leben kurz, anstrengend und freudlos. So sang der Seemann seine Shanties; kurze abgehackte, lautmalerische Gesänge, die seiner Arbeit den Rhythmus geben sollten, oder längere balladenartige Lieder, mal frech und lustig und mal sehnsüchtig. Die Shanties, gegliedert in Vorsängertext und Chortext, erzählen von Dingen, die einst auf den Windjammern zum Alltag gehörten: die eigene Sprache an Bord mit ihren uralten Namen für Segel, Masten und Tauwerk, Stürme, Schiffbruch aber auch Häfen, Heimkehr und die Liebe der Matrosen. Die unmittelbare Verbindung zur Arbeit bestimmt auch die charakteristische Form des Shanties. Seine Strophen bilden zumeist einen Wechselgesang zwischen einem Vorsänger, dem Shantyman und Antreiber, und der Mannschaft. Hierbei ist der Vorsänger der führende Teil. Ihm fällt der eigentliche, von Strophe zu Strophe veränderliche Text zu. Die Mannschaft verrichtete im Rhythmus dazu die Arbeit und wiederholte dabei den Refrain. Es gab für diese Lieder nie eine feste, gleichbleibende, verbindliche Form. Jeder Shantyman sang sie etwas anders.
Seemannslieder (Seasongs) hingegen waren musikalischere Lieder, die nach Feierabend an Bord oder auch bei Landbesuch im Hafen gesungen wurden. Meist romantische Balladen von Sehnsucht, Heimat und Liebe aber auch derbe Lieder zur Entspannung bei Schnaps und Bier nach der harten Arbeit.

Alle heute gedruckten Shantytexte sind von Ausdrücken der Vulgärsprache gereinigt, weil sich sonst kaum ein Verleger gefunden hätte. Man hat sich aber seinen Vers aus den Texten machen können., wie z.B. „In Amsterdam there lives a maid...“, womit zweifelsohne ein Hafenmädchen, eine Prostituierte, gemeint ist.

Sprachen, auch Berufssprachen, wandeln sich im Laufe der Zeit, so dass man heute nicht mehr alles erklären kann, was in Shanties besungen wird. Das ist zum Teil auf die gewaltigen Änderungen in der Schifftechnik zurückzuführen. So ist eines der ältesten überlieferten Shanties „How the Bowline“ nicht mehr zu Übersetzen. Es ist bemerkenswert, dass Shanties in der damaligen „Royal Navy“ vornehmlich der Texte wegen verboten waren.

Auch skandinavische Lieder finden sich unter den Seasongs. Meistens sind sie schwedisch-finnischen Ursprung. Französische Seemannslieder haben sich nicht durchgesetzt. Rein deutsche Shanties gab es nicht; lediglich Seemannslieder friesischen oder mecklenburgischen Ursprungs erfuhren weitere Verbreitung. So ist es nicht verwunderlich, dass die Originalshanties nahezu ausnahmslos englische Texte haben. Auf deutschen Schiffen überwiegend deutscher Besatzung – was nicht immer zutreffend war – wurde der Text vom Vorsänger in Plattdeutsch vorgesungen. Seine Macker, die hinter der Hand am Tau standen, sangen den Refrain in Englisch. Dazu wurde dann im Takt der Tampen gerissen.
  Die verschiedenen Arbeitsakte erforderten unterschiedliche Rhythmen. Oft war unter der Mannschaft jemand, der über ein Instrument verfügte. Er saß auf dem Spill oder auf dem Poller und spielte die Melodie.

Short Drag Shanty:

Die short drag oder auch short haul shanties wurden benutzt, wenn eine Arbeit ein schnelles Ziehen über eine relativ kurze Zeit erforderte, zum Beispiel beim Setzen der Segel.

Long Drag Shanty:

Long drag oder halyard shanties wurden bei schwererer Arbeit, die eine längere Zeit erforderte, angestimmt, zum Beispiel beim Aufheißen einer Rah oder einer Gaffel. Diese Shanties weisen in der Regel einen Refrain auf.

Capstan Shanty:

Der Capstan oder windlass shanty kam dann zum Einsatz, wenn eine sehr lange und monotone Arbeit anstand, die einfach einen Grundrhythmus benötigte, wie zum Beispiel das Aufholen eines Ankers mit dem Handspill.

Forecastle Shanty:

Wenn dann die Arbeit getan war und Zeit zum Entspannen war, wurden früher gern Lieder angestimmt. Die Lieder handelten zum Beispiel von Orten, an denen man gewesen war, von der Heimat, von der Liebe, von Abenteuern von Schlachten oder von berühmten Männern.


Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen von Texten und Noten sind erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemacht worden.Das ältesten Instrumente an Bord waren die Fiedel auf europäischen und das Banjo auf afro-amerikanischen Schiffen. Das Akkordeon oder “Schifferklavier” ist erst seit dem 1. Weltkrieg bekannt und im 2. Weltkrieg kam die Gitarre als Begleitinstrument für Shanties hinzu.


Wir als Norddeicher Shanty-Chor pflegen heute teilweise noch das historische Liedgut und führen damit vereinzelt auch Shanties bei unseren Veranstaltungen auf. Der hauptsächliche Anteil unseres Programms besteht jedoch aus maritimen Liedern von der Küste und der Waterkant, an denen wir selber unsere Freude haben und damit auch unserem Publikum mit entsprechender Stimmung ein paar angenehme Stunden gestalten wollen.



 



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Letzte Aktualisierung  am 23.10.2016

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